Karl Steup wird am 30. Dezember 1888 in Marienberg geboren, als Sohn des Schreinermeisters Louis Steup und seiner in Eichenstruth geborenen Ehefrau Wilhelmine geb. Schmidt. Am 21. März 1912 heiratet er Emma Luckenbach, geb. am 26. Dezember 1890, Tochter des Schreinermeisters Eduard Luckenbach und seiner Ehefrau Hermine, geb. Jung zu Waigandshain. Der Ehe entspringen vier Töchter und ein Sohn.
Bis zu seiner Pensionierung 1934 arbeitet er als Eisenbahnschaffner bei der Deutschen Reichsbahn.
Karl war Bibelforscher (Jehovas Zeugen) und wurde deshalb am 13. Dezember 1936 durch die Polizei Marienberg verhaftet. Anschließend wurde Schutzhaft angeordnet. Siehe auch das Schicksal von Louis Pfeiffer.
Unter dem verharmlosenden Begriff Schutzhaft wurden in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland Regimegegner und andere missliebige Personen allein aufgrund einer polizeilichen Anordnung inhaftiert, ohne dass dies einer richterlichen Kontrolle unterlag, etwa im Wege der Haftprüfung. Dies geschah anfänglich überwiegend durch Mitglieder nationalsozialistischer Organisationen wie der SA und der SS, später durch die auch aus SS-Angehörigen bestehende Gestapo. Die Gefangenen wurden in – der nationalsozialistischen Partei unterstehenden – Haftstätten, den Konzentrationslagern (zunächst als „KL“, später als „KZ“ bezeichnet) festgehalten, misshandelt bzw. auch ermordet.
Karl wurde in verschiedenen Konzentrationslagern interniert[1]
1936-12-13 Verhaftet durch die Polizei Marienberg
1937-07-14 Anordnung von Schutzhaft[2]
1937-08-21 KZ Ravensbrück (Haft-Nr 1092) Einlieferung über Frankfurt/Main
1939-11-23 KZ Buchenwald (Haft-Nr 1092, Block 44) Brief von seiner Ehefrau Emma-I
1940-10-03 KZ Buchenwald (Haft-Nr 1092, Block 44) Brief von seiner Ehefrau Emma-II
1940-12-04 KZ Buchenwald (Haft-Nr 1092, Block 44) Brief von seiner Ehefrau Emma-III
1941-03-07 KZ Wewelsburg (Haft-Nr 1092), Überführung
1943-04-12 KZ Buchenwald eingeliefert (Haft-Nr 12571, Block 48), 7 Monate Gefängnis + Geldstrafe
1943-04-12 KZ Wewelsburg eingeliefert (im KZ Niederhagen interniert[3] )
1943-10-01 KZ Wewelsburg überführt
1943-10-05 KZ Ravensbrück überführt
1943-10-07 KZ Ravensbrück
Den Bibelforschern wurde als einziger Häftlingsgruppe die Möglichkeit geboten, die Entlassung aus einem Konzentrationslager zu erwirken, indem sie mit ihrer Unterschrift der Zugehörigkeit zur Internationalen Bibelforscher-Vereinigung abschworen. Nur wenige unterschieben die Erklärung.
Karl übersteht seine KZ-Internierungen und lebt nach Kriegsende wieder in Marienberg.
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Das Konzentrationslager Niederhagen war ein temporäres nationalsozialistisches Konzentrationslager am Ortsrand von Büren-Wewelsburg und entstand 1941 aus dem Außenlager Wewelsburg, einem Nebenlager des KZ Sachsenhausen.
Seit 1939 setzte der Reichsführer SS Heinrich Himmler KZ-Häftlinge zum Umbau des Bergschlosses Wewelsburg ein. Gemäß Himmlers Vorstellungen sollte nach dem „Endsieg“ die Wewelsburg Mittelpunkt der Welt werden. Aus dem KZ Sachsenhausen wurden Häftlinge in das Außenkommando Wewelsburg geschickt. Auch beim Bau des Führerhauses I, der Villa des Architekten Hermann Bartels, in der Waldsiedlung, im Straßenbau und im Steinbruch setzte die SS die KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter ein. Die Arbeitsgruppe, die zunächst noch als Außenkommando arbeitete, war den Wetterverhältnissen schutzlos ausgesetzt. Daher wurde schließlich ein Schutzhaftlager in Niederhagen neu erbaut, genannt Außenlager Wewelsburg. In das neue Lager wurden weitere Häftlinge geschickt. 1941 erklärte die SS dieses Lager, das noch zum KZ Sachsenhausen gehörte und etwa 480 Gefangene zählte, zum eigenständigen KZ.
Zu den rund 3.900 Häftlingen zählten sog. Bibelforscher (Zeugen Jehovas), politische Häftlinge, Roma, Homosexuelle, Juden, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus Polen, der Sowjetunion, der Tschechoslowakei, Frankreich, den Niederlanden und Belgien. Fast ein Drittel von ihnen überlebte die Haft nicht.[4]
Ein Kommandant des Konzentrationslagers Niederhagen war der Hachenburger Adolf Haas.[5]
Adolf Haas wurde am 14. November 1893 in Siegen geboren und wuchs seit 1895 in Hachenburg auf. Nach Abschluss der Volksschule machte er eine Ausbildung zum Bäcker und Konditor, anschließend zum Bäckermeister.
Am 1. Oktober 1913 wurde er zum Militär eingezogen und am 12. Januar 1914 als Soldat der Marine-Artillerie nach Tsingtau (heute Qingdao, eine Hafenstadt im Osten Chinas) verschifft. Dort geriet er am 7. November 1914 in japanische Kriegsgefangenschaft und kam schließlich in das Kriegsgefangenenlager Bando in Japan, aus dem er im Dezember 1919 entlassen wurde.
Ab 1925 war er Inhaber einer eigenen Bäckerei in Hachenburg.
Der NSDAP schloss er sich am 1. Dezember 1931 an (Mitgliedsnr. 760.610) und trug damit den Ehrentitel "Alter Parteigenosse". 1932 trat er in die Allgemeine SS ein (SS-Nr. 28.943).
Er war auch im Hachenburger Stadtrat aktiv.
Adolf Haas war auch an der Erstürmung der Synagoge in Mogendorf (Verbandsgemeinde Wirges) beteiligt.[6]
Im Oktober 1935 gibt Adolf Haas seinen Bäckerbetrieb in Hachenburg auf und übernimmt in der "Allgemeinen SS" als hauptamtlicher SS-Führer die Leitung eines Sturmbannes.
1936 erfolgt die Beförderung zum Sturmbannführer der "Allgemeinen SS".
Am 1. März 1940 wurde er trotz oder gerade wegen seiner "Fähigkeiten" [7], zur Dienststelle "Inspekteur der Konzentrationslager" im KZ Sachsenhausen abkommandiert. Dort wurde er im selben Jahr zum Schutzhaftlagerführer ausgebildet.
Nach 3 Monaten wurde er zum Obersturmführer d.R. der Waffen-SS [entspricht Oberleutnant] ernannt [8] und übernahm am 14. Juni 1940 ein neues Amt. In Wewelsburg südwestlich von Paderborn hatte er ein Arbeitslager, das spätere Konzentrationslager Niedernhagen, aufzubauen. Dessen Insassen hatten hauptsächlich Bauarbeiten rund um die Wewelsburg, Himmlers SS-Kultstätte, auszuführen.
Ein früherer Häftling in Wewelsburg, Otto Preuss, erinnert sich 1984: "Er (Haas) nannte sich einmal auf dem Appellplatz, seine Hände in die Seiten gestemmt - die sahen ja alle furchtbar aus, weil sie Uniform anhatten, die waren ja erst dann richtig da - 'Ich bin der Herrgott von Wewelsburg!... '". [9]
Bis zur Auflösung des Konzentrationslagers Niedernhagen am 30. April 1943 fanden dort 1.285 Häftlinge den Tod. Stets wurde als Todesursache "Entkräftung und Krankheit" u.ä. genannt.
Am 20. April 1941 erhielt Haas als KZ-Kommandant seine Beförderung zum SS-Hauptsturmführer d.R. in der Waffen-SS [entspricht Hauptmann].
Noch im April 1943 wurde Adolf Haas zum Kommandanten des "Austauschlagers" Bergen-Belsen bestimmt. Hier wurden Juden "bevorratet", die man zum Austausch im Ausland internierter Deutscher zu "verwenden" gedachte.
Adolf Haas, am 9. November 1943 zum SS-Sturmbannführer d.R. in der Waffen-SS [entspricht Major] ernannt, war bis zum 2. Dezember 1944 Kommandant von Bergen-Belsen. Während seiner Kommandantenzeit starben dort 1.745 Häftlinge.
Am 20. Dezember 1944 schied Adolf Haas aus dem KZ-Dienst aus. Die Gründe für seine Ablösung bleiben unklar: Genannt werden Unfähigkeit und Korruption. Er soll auch in Ungnade gefallen sein, weil er sich von einem jüdischen Gefangenen porträtieren lies.
Er wurde von dort im Dezember 1944 an die Front versetzt und als Kommandant des SS-Panzergrenadierbataillons 18 eingesetzt. Während der Endphase des NS-Regimes war er im KZ Neuengamme anzutreffen, wo er am 14. April 1945 als Beisitzer eines SS- und Polizeigerichts fungierte, das ein Todesurteil gegen einen fahnenflüchtigen SS-Führer aus dem Lager verhängte und am 24. April 1945 vollstrecken ließ, der aus dem Lager ins Private geflüchtet war und unter Kameraden volltrunken und im Beisein mehrerer Frauen aufgefunden worden war.
Haas verschwand kurz nach der Vollstreckung, es ist unbekannt wohin. Als "verschollen" geltend wurde er am 18. August 1950 durch das Amtsgericht Hachenburg für tot erklärt.[10]
Ab 1961 kam es zu Ermittlungen gegen eine Gruppe von SS-Angehörigen, darunter auch Haas, wegen des Todesurteils vom April 1945.